Proxmox mit Nextcloud – nur im Heimnetz

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Proxmox mit Nextcloud als Homeserver einrichten, ohne eigene Domain und nur für das Heimnetz.

Proxmox ist ein auf Debian basierendes Linux-Betriebssystem das als eine Art Unterbau für Server dient. Es bietet eine webbasierte Verwaltungsplattform mit der man Virtuelle Maschinen (VM) und LXC Container erstellen und diese zusammen mit Speicherplatz, Datensicherungen und Netzwerk verwalten kann. Die Community-Edition ist kostenlos.

Sie können Proxmox als Grundlage für die Einrichtung eines Home-Servers nutzen und darauf eine VM mit Nextcloud erstellen. Wir führen Sie Schritt für Schritt durch die Einrichtung.

Grafik der aufeinander aufbauenden Betriebssysteme: untere Ebene Proxmox, darüber Ubuntu-Server und auf oberster Ebene Nextcloud.

Proxmox VE benötigt mindestens 2 GB RAM und ca. 8-32 GB Speicherplatz für die Basisinstallation. Für einen stabilen Betrieb sollten jedoch mindestens 16-32 GB RAM und 64-128 GB Speicher eingeplant werden.

Man installiert Proxmox wie jede andere Linux-Distribution. Laden Sie das ISO-Image von der Webseite des Herstellers. Die Seite bietet eine gute Dokumentation und eine Anleitung zur Installation.

Allerdings ist die Schriftgröße des Installers auch auf einem großen Monitor extrem klein. Eine Einstellungsmöglichkeit gibt es nicht. Da helfen nur noch Lupe oder Monokular.

Nach der Installation starten Sie den Rechner mit Proxmox neu. Nun wird eine Konsole, in der Sie die IP Adresse Ihres neuen Servers sehen und die Option zum Login angezeigt.

Öffnen Sie auf einem anderen Rechner im selben Netzwerk einen Browser und geben Sie die im Proxmox-Terminal angezeigte IP-Adresse, gefolgt von der Portnummer 8006 ein, z.B.

https://192.168.178.123:8006

Hat alles funktioniert, öffnet sich das Proxmox-Dashboard. Loggen Sie sich ein als Benutzer „root“ mit dem während der Installation vergebenen Passwort.

Das Proxmox Dashboard nach dem ersten Start.

Im Dashboard lässt sich die Schrift vergrößern per Tastenkombination oder mit Mausrad oder Touchpad.

Strg + Plus-Taste
Strg + Minus-Taste / Bindestrich

Repositories und Update

Wie bei jeder Neu-Installation sollten Sie als Erstes das System aktualisieren. Wählen Sie dazu links in der Seitenleiste pve aus und wechseln Sie in der mittleren Spalte zu Updates und darunter zu „Repositories“.

Proxmox Dashboard: der Menüpunkt "Repositories" ist ausgewählt, rechts im Hauptfenster werden zwei Warnhinweise zu den aktivierten Enterprise-Repositories angezeigt.

Sie sehen hier zwei Warnhinweise: die Enterprise Repositories können Sie nur mit einem aktiven kostenpflichtigen Proxmox-Abonement nutzen. Damit Sie ein Update durchführen können, deaktivieren Sie die beiden Enterprise-Repositories. Wechseln Sie dann wieder zu Updates und starten Sie mit der Schaltfläche Upgrade. Es öffnet sich ein Terminal-Fenster, in dem Sie noch mit y bestätigen müssen. Sind alle Updates durchgeführt, können Sie das Terminal schließen. Die Warnmeldung „Seite verlassen…“ bestätigen Sie. Falls dann noch eine Liste mit Updates angezeigt wird, klicken Sie auf Aktualisieren.

Proxmox Dashboard mit einem neuen Fenster für den Task-Viewer, das den Fortschritt bei der Aktualisierung der Paket-Datenbank anzeigt.

Danach sollte die Liste leer sein.

Ubuntu Server mit Nextcloud

Wir haben verschiedene Wege ausprobiert, um Nextcloud auf einem Proxmox-Server einzurichten. Letztendlich war die einfachste Variante, eine Virtuelle Maschine (VM) mit einem Ubuntu-Server zu erstellen. Bei der Installation des Server-Betriebssystems kann man Nextcloud gleich als Snap-Paket mit installieren.

Die VM erstellen

Für die VM laden Sie entweder ein bereits vorhandenes ISO-Image von Ihrem Host-Rechner oder laden Sie es direkt aus Proxmox von der URL des Herstellers.

Proxmox Dashboard mit dem Dialog zum Hochladen einer ISO Datei.

Wählen Sie dazu links in der Leiste local (pve)und in der mittleren Leiste ISO-Image. Dann öffnet sich ein Dateiauswahldialog, Anschließend finden Sie die ISO-Datei rechts in der Liste.

Wechseln Sie nun wieder links in der Seitenleiste zu pve und klicken Sie oben rechts auf die blaue Schaltfläche „Erstelle VM“. Im folgenden Dialog vergeben Sie einen Namen für die VM, die ID wird automatisch gesetzt.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM. Schritt 1: einen Namen für die VM vergeben.

Im nächsten Tab wählen Sie Ihr ISO-Image aus der Liste.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM, Schritt 2 - das ISO-Image auswählen.

Bei System aktivieren Sie Qemu-Agent.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM, Schritt drei - Systemeinstellungen.

Je nachdem, wie viel Platz auf Ihrem Proxmox-Rechner zur Verfügung steht, erhöhen Sie die Größe der Disk, vorgegeben sind 32 GB. An dieser Stelle können Sie weitere virtuelle Festplatten hinzufügen. Beispielsweise wenn Ihr Rechner zusätzlich über eine HDD verfügt.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM, Schritt 4 - Disk auswählen und Größe festlegen.

Die Prozessor-Kerne sollten Sie auf 2 erhöhen.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM, Schritt 5, CPU Einstellungen, die Zahl der Kerne ist auf 2 erhöht.

Je nach verfügbarem Arbeitsspeicher auf Ihrem Rechner, erhöhen Sie hier die Größe des Arbeitsspeichers für die VM. Minimum sind 2 GB, für den Privatgebrauch empfohlen sind 4 bis 8 GB.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM, Schritt 6: Speichergröße festlegen..

Für das Netzwerk verwenden Sie Bridge vmbr0 und VirtIO.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM, Schritt 7 - Netzwerkeinstellungen.

Zum Abschluss wird eine Übersicht angezeigt, bestätigen Sie mit „Abschließen“.

Proxmox Dashboard: Diealog zum Erstellen einer VM, Schritt 8 mit einer abschließenden Übersicht der gewählten Einstellungen. Untemn rechts die Button "Zurück" und "Abschließen".

VM starten

Hat die Einrichtung der VM funktioniert, sehen Sie diese links in der Seitenleiste und können sie starten über das Kontextmenü oder den Button in der oberen Leiste.

Proxmox Dashboard: die neue VM erscheint nun rechts in der Seitenleiste.

Wechseln Sie dann direkt zur Konsole, im Hauptfenster startet die reguläre Server-Installation.

Proxmox Dashboard: nach dem Start der VM sieht man im der Konsole rechts den Setup-Dialog des Ubuntu Installers mit der Auswahl der Sprache.

Der Installer führt Sie durch die einzelnen Einstellungen:

Spracheinstellungen, Ubuntu-Server auswählen, Third-Pary-Driver werden nicht benötigt. Die Netzwerkeinstelleungen können Sie einfach mit der Eingabetaste bestätigen. Das Feld für Proxy-Adresse können Sie leer lassen, wenn Sie keinen Proxy-Server im Heimnetz haben. Bei „Mirror“ warten Sie einen Moment, bis die Liste eingelesen ist und bestätigen dann die Vorgabe.

Die ganze Festplatte und LVM verwenden, eine Verschlüsselung haben wir hier nicht gewählt.

Es folgt eine Übersicht über die Speicherkonfiguration, hier müssen Sie explizit mit „Fortfahren“ bestätigen.

Dann noch Ihren Namen eintragen, einen Server-Namen und das Passwort vergeben.

Im nächsten Schritt aktivieren Sie „Open-SSH Server installieren“ und im folgenden „nextcloud“.

Proxmox Dashboard: in der Konsole  der Ubuntu Installationsdialog mit der Auswahl weiterer Snap Pakete zur Installation - Nextcloud ist ausgewählt.

Nun startet die Installation des Server-Betriebssystems in der VM. Nach Abschluss erhalten Sie eine Aufforderung zum Neustart der VM.

Proxmox Dashboard: in der Konsole die Aufforderung zum Neustart der VM nach erfolgreicher Installation des Ubuntu-Servers.

Bestätigen Sie mit der Eingabetaste, führt dies oftmals zu einer Fehlermeldung „Failed unmounting cdrom.mount“.

Proxmox Dashboard: in der Konsole eine Fehlermeldung "Failed unmounting cd-rom".

Um dies zu beheben, stoppen Sie die VM über das Kontextmenü auf dem Eintrag links in der Seitenleiste. Anschließend wechseln Sie im mittleren Menü zu:

Optionen > Bootreihenfolge
Proxmox Dashboard: die Einstellungen für die Bootreihenfolge der VM, ausgewählt und an erster Stelle steht "scsi0".

Entfernen Sie den Haken bei ide2 (das virtuelle CD-Laufwerk) und net0 (Netzlaufwerk). An erster Stelle muss scsi0 stehen. Bestätigen Sie mit „OK“.

Nun können Sie die VM neu – von der virtuellen Festplatte – starten. In der Proxmox-Konsole sollte dann der Login-Prompt erscheinen. Loggen Sie sich ein mit den Daten, die Sie während der Server-Installation vergeben haben.

Proxmox Dashboard: in der Konsole sieht man nun den Login-Prompt für den Ubuntu Server nach erfolgtem Neustart.

Die Schriftgröße innerhalb der Proxmox-Konsole kann man nicht mit der regulären Tastenkombination erhöhen. Klicken Sie am linken Rand auf das kleine Dreieck, öffnet sich ein Menü. Mit dem Zahnradsymbol erreichen Sie eine Möglichkeit, die Skalierung umzustellen. Die Schrift in der Konsole wird dann etwas größer. Bei unserem Test konnten wir dann aber in der Konsole nicht mehr nach unten scrollen.

Proxmox Dashboard: die Einstellungen für lokales Skalieren der Konsole.

Einfacher ist es, die Vergrößerung Ihres Betriebssystems zu nutzen.

Nach dem Login, finden Sie alle Daten des Ubuntu-Servers in der Konsole.

Proxmox Dashboard: in der Konsole, nach dem Login im Ubuntu Server werden die Daten des Servers angezeigt, unter anderem die ip-Adresse.

SSH-login

Statt über die Konsole in Proxmox-Dashboard loggen Sie sich per SSH von Terminal Ihres Rechners aus auf dem Ubuntu Server ein. Hier können Sie die Schrift beliebig vergrößern.

ssh ihr_benutzername@ip_adresse_ihres_servers

# zum Beispiel:
ssh henriette@192.168.178.123

Die IP-Adresse wird nach dem ersten Login in der Konsole des Proxmox-Dashboards angezeigt, wie oben beschrieben.

Exkurs – keine SSH Verbindung:

Falls die SSH Verbindung einfach „stehenbleibt“, Sie also keine Verbindung bekommen, prüfen Sie in der Proxmox-Konsole, ob der SSH-Server läuft und aktivieren Sie ihn ggf.:

sudo systemctl status ssh
# Neustart:
sudo systemctl restart ssh
# dauerhaft aktivieren und starten:
sudo systemctl enable --now ssh

Über die SSH-Verbindung im Terminal Ihres Rechners aktualisieren Sie das Ubuntu-Betriebssystem:

sudo apt update && sudo apt upgrade

Damit die Datenverbindung zwischen Ihrem lokalen Notebook und Nextcloud verschlüsselt erfolgt, sollten Sie an dieser Stelle auch gleich ein Zertifikat hinzufügen. Für reine Heimnetz-Umgebungen genügt ein selbst signiertes Zertifikat. Es bietet Verschlüsselung, aber keine Identitätsgarantie, weshalb Browser Warnmeldungen anzeigen.

Zertifikat hinzufügen, im Terminal des Ubuntu-Servers:

sudo nextcloud.enable-https self-signed

## Ausgabe:
# Generating key and self-signed certificate... done
# Restarting apache... done

Über SSH aktualisieren Sie später auch Nextcloud:

sudo snap refresh nextcloud

Snapshot vom Server

Bevor Sie weiter bauen, erstellen Sie einen Snapshot von der neuen VM. Sie finden den Eintrag im mittleren Menü.

Name: einen kurzen Namen ohne Leerzeichen

Include RAM – Häkchen setzen: der aktuelle Zustand des Arbeitsspeichers wird mitgespeichert. Wenn Sie den Snapshot zurückspielen, ist die VM sofort wieder an genau dem Punkt, an dem der Snapshot erstellt wurde.

Description: hier sollte unbedingt ein aussagekräftiger Kommentar stehen, damit man auch später noch den Stand nachvollziehen kann.

Nextcloud aufrufen

Nextcloud rufen Sie im Browser Ihres Rechners auf mit der IP-Adresse des Ubuntu-Servers, die Sie auch für die SSH-Verbindung verwendet haben. Hier starten Sie erst die eigentliche Nextcloud Installation. Tragen Sie zuvor Name und Passwort ein.

Der Startbildschirm von Nextcloud im Browser: Eingabefelder für Benutzernamen und Passwort, darunter der Button zum Start der Installation.

Klicken Sie auf „Installieren“ und nach kurzer Zeit sehen Sie schon das Nextcloud-Dashboard.

Die Schriftgröße lässt sich hier per Tastenkombination erhöhen. Unter „Accessibility“ kann man einen dunklen Modus wählen.

Dateien Synchronisieren

Um Dateien von Ihrem lokalen Notebook oder Mobilgerät mit dem Ubuntu-Nextcloud Server zu synchronisieren, installieren Sie auf Ihrem Rechner einen Nextcloud-Client. Den gibt es für alle gängigen Betriebssysteme. Sie finden die Software in der Softwareverwaltung des Betriebssystems

Die Softwareverwaltung auf dem lokalen Notebook mit der Suche nach "Nextcloud". Im Hauptfenster wird die App "Nextcloud Desktop-Synchronisationsclient" angezeigt.

oder – auch für Mobilgeräte – auf der Herstellerseite.

Snapshot und Backup

Bevor Sie nun mit dem Ubuntu-Server oder der Nextcloud-Instanz experimentieren, erstellen sie nochmals einen Snapshot der VM. Haben Sie später Dateien mit Nextcloud synchronisiert, sollten Sie regelmäßig Backups über das Proxmox-Dashboard erstellen. Sie können dafür z.B. eine externe SSD oder eine zweite im Proxmox-Rechner eingebaute Festplatte nutzen.

Exkurs – Snapshot und Backup:

Snapshots sind eine Art Momentaufnahme des VM Zustandes und sollten den RAM beinhalten. Sie dienen dazu, misslungene Änderungen rückgängig zu machen, beispielsweise bei einem Update. Sie liegen üblicherweise auf dem selben Speicher wie die Basis-VM und benötigen diese für ein Rollback.

Backups sind unabhängige Sicherungen der gesamten VM und sollten auf einem externen Speicher liegen. Sie können auf neuer Hardware wiederhergestellt werden, Snapshots nicht.

Ausblick

Natürlich könnte man das Betriebssystem für einen Ubuntu-Server mit Nextcloud auch ohne Proxmox direkt auf dem Rechner installieren. Aber Proxmox bietet eine einfache Möglichkeit für Verwaltung und Datensicherung. Zusätzlich können Sie, wenn genug Speicherplatz zur Verfügung steht, weitere VMs oder LXC Container einrichten und damit zum Beispiel Jellyfin oder Plex als Medienserver zum Streamen von Filmen und Musik. AdGuard Home oder PI-hole als zentralen DNS-Blocker für Werbung im gesamten Heimnetz oder einen Joplin-Server zur Synchronisierung von Notizen betreiben.

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