Orca Screenreader – Fehler „dummy output …“ beheben

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Orca-icon

Auf einem neu installierten Linux Betriebssystem kann es vorkommen, dass nach dem Aktivieren der Sprachausgabe nur zu hören ist „This is the dummy output modul, it seems your speech-dispatcher is working …“.

Dieses Problem tritt immer dann auf, wenn der Screenreader zwar eine Verbindung zum Speech Dispatcher hat, dieser aber keinen installierten Synthesizer (wie eSpeak-ng) findet, um Töne zu erzeugen.

Wenn Orca (der Client) eine Sprachanfrage an den Speech-Dispatcher sendet, versucht dieser, ein konfiguriertes Synthese-Modul (wie espeak-ng oder festival) zu laden. Schlägt das Laden eines echten Muduls fehl, greift ein Fallback-Mechanismus. Dazu wird ein eingebautes „Dummy-Ausgabemodul“ benutzt und dessen Text wird vorgelesen. Die Ansage ist ein bewusst eingebauter Selbsttest des Systems. Sie beweist, dass die Verbindung zwischen Orca und dem Sprach-Server besteht, aber der Server „stumm“ ist, weil er keine Verbindung zu einer echten Stimme herstellen kann.

„This is the dummy output module. It seems your speech dispatcher is working, but it cannot find any real output module except me. Please check your log file…“.

Log-Datei

Am Ende des Textes wird hier dann noch ein Hinweis auf die Log-Datei angesagt. Man findet sie meist im Verzeichnis

run/user/1000/speech-dispatcher/log
Verzeichnisse und Log Dateien  im Terminal

In der speech-dispatcher.log Datei erscheinen Hinweise wie diesen:

"[Sun Mar 15 10:41:28 2026 : 834565] speechd:   couldn't open directory /home/henriette/.local/share/../libexec/speech-dispatcher-modules because of error Datei oder Verzeichnis nicht gefunden"

Sie finden die Datei über die Dateiverwaltung oder das Terminal. Das Log-Verzeichnis existiert aber erst, wenn der Speech-Dispatcher einmal aktiv war, also die Sprachausgabe über die Zugangshilfen aktiviert wurde oder Sie im Terminal getestet haben mit:

spd-say guten Morgen

Ebenso findet man in der Orca-Einstellungsverwaltung bei Sprachsynthesizer den Eintrag „Standardsynthesizer“ voreingestellt, im Pull-Down-Menü aber nur den Eintrag „openjtalk“. OpenJTalk ist ein Synthesizer für die japanische Sprache.

Orca Einstellungsverwaltung mit den Einstellungen für den Sprach-Synthesizer

Exkurs – Prozess beenden:

Haben Sie die Orca Einstellungen einmal geöffnet, startet regulär die Sprachausgabe, hier aber eben mit dem Dummy. Die Ansage spricht weiter, auch wenn die Einstellungsverwaltung geschlossen und die Sprachausgabe deaktiviert ist. Sie finden den zugrundeliegenden Prozess im Systemmonitor:

Der Systemmonitor mit dem noch laufenden Prozess "orca".

Hier beenden Sie den Prozess über das Kontextmenü.

Das Kontextmenü für den Prozess im Systemmonitor, markiert ist die Option "Töten (kill).

Fehlende Module installieren

Grundsätzlich können verschiedene Sprachsynthesizer zum Einsatz kommen. Für eine deutsche Sprachausgabe empfiehlt sich die Verwendung von eSpeak-NG. Sie installieren den Synthesizer über das Terminal:

sudo apt install espeak-ng speech-dispater-espeak-ng

Konfigurationsprogramm starten

Oftmals finden Sie auch nach der Installation espeak-ng nicht in der Liste der Synthesizer der Orca-Einstellungsverwaltung. Starten Sie dann das Speech-Dispatcher Konfigurationsprogramm über das Terminal:

spd-conf# oder nur für den user:
spd-conf -u

Sie werden durch die verschiedenen Einstellungen geführt, die Standard-Einstellungen sind bereits vorgegeben und müssen nur mit der Eingabetaste bestätigt werden. Für die Sprache geben Sie de-DE ein.

Die Ausgabe des Programms "spd-conf" im Terminal.

Starten Sie dann den Rechner neu.

Anschließend sollte beim Aktivieren der Sprachausgabe bereits espeak sprechen. In der Orca Einstellungsverwaltung finden Sie espeak-ng nun in der Liste der Synthesizer und auch die zugehörigen Stimmen.

Die Orca Einstellungsverwaltung mit aktiviertem espeak-ng.

Hinweis: Sollten Sie nach dem Ausführen von spd-conf -u immer noch nicht in der Orca Einstellungsverwaltung finden, führen Sie den Befehl im Terminal nochmals aus, ohne das Flag -u. Die Frage, ob Sie die bestehende Konfiguration überschreiben möchten, bestätigen Sie. Das Programm führt dann weitere Test zur Diagnose und Fehlerbehebung durch. Am Ende wird ein Bericht angezeigt.

"[Sun Mar 15 10:41:28 2026 : 834565] speechd:   couldn't open directory /home/henriette/.local/share/../libexec/speech-dispatcher-modules because of error Datei oder Verzeichnis nicht gefunden"

Dennoch funktionierte bei uns der Test mit

spd-say hallo

und auch die Sprachausgabe startete über die Zugangshilfen korrekt.

Konfigurationsdatei

Die Konfigurationsdatei mit dem Namen speechd.conf für den Benutzer finden Sie im Persönlichen Ordner im Verzeichnis

.config/speech-dispatcher

Ziemlich am Ende der Datei finden Sie die Zeile für das Standard-Modul.

Ein Ausschnitt der Konfigurationsdatei im Editor "Kate", markiert ist die Zeile "DefaultModule" mit espeak-ng.

Ausblick

Wer möchte, kann weitere Synthesizer installieren. Damit haben Sie dann auch andere Stimmen zur Verfügung. Die espeak-Stimmen klingen für „Sehende Ohren“ ein wenig gewöhnungsbedürftig. Tatsächlich ist insbesondere die Standardstimme aber eine Stimme, die sehr gut zu verstehen ist, auch bei deutlich höherem Sprechtempo. Und das ist letztendlich wichtig und ausschlaggebend.

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