Im ersten Teil haben wir erklärt, was ein Server eigentlich ist und welche Rolle ein LAMP-Stack dabei spielt. Nun folgt der praktische Teil: Wir richten einen Fedora Server in einer virtuellen Maschine (VM) ein und zeigen die ersten Schritte mit dem Serve-Dashboard Cockpit.
Fedora 42 ist eine aktuelle Linux-Distribution, die regelmäßig gepflegt wird. Die Server-Edition bringt bereits wichtige Pakete für den Betrieb von Serverdiensten mit.
Cockpit ist ein webbasiertes Interface für Server. Cockpit ist bereits vorinstalliert und erlaubt die komfortable Verwaltung des Systems über den Browser.
Damit eignet sich Fedora Server hervorragend als Test- und Lernumgebung, um die Grundlagen der Serveradministration zu verstehen – ohne gleich einen echten Server im Rechenzentrum zu mieten.
In diesem Beitrag zeigen wir Schritt für Schritt:
- Wie man Fedora Server in einer virtuellen Maschine (z. B. Parallels Desktop oder VirtualBox) installiert.
- Wie man sich anschließend über Cockpit anmeldet und die wichtigsten Funktionen nutzt.
- Die klassische Anmeldung auf einem Server per SSH.
Fedora Server in Parallels installieren
Um den Testserver einzurichten, nutzen wir Parallels Desktop (Mac) und das zuvor von der Herstellerseite heruntergeladene Fedora Server ISO-Image in der Variante ARM und Network Install.

Eine neue virtuelle Maschine erstellen
- Parallels starten und im Menü „Neue VM“ auswählen.
- „Installieren von ISO-Datei“ wählen und das Fedora Server ISO auswählen.
- Namen, Speicherort und Hardware-Ressourcen:
- RAM: mindestens 2 GB (besser 4 GB)
- CPU: mindestens 2 Kerne
- Festplatte: mindestens 20 GB
- Netzwerk: Standard
- VM anlegen und starten.
Hinweis: Server-Zugriff aus dem Internet
Standardmäßig verwendet die VM in Parallels das NAT-Netzwerk. Das bedeutet:
- Der Server bekommt eine private IP-Adresse, die nur innerhalb Ihres Rechners sichtbar ist.
- Geräte außerhalb Ihres Computers (z. B. andere PCs im Heimnetz oder aus dem Internet) können die VM nicht erreichen.
- Vorteil: sicher für Test- und Lernumgebungen.
Möchte man den Server doch aus dem Internet zugänglich machen, sind zusätzliche Schritte nötig:
- Bridged Network in der VM aktivieren, damit die VM eine IP vom Router bekommt.
- Portfreigaben (Port-Forwarding) im Router einrichten, z. B. für Port 80 (HTTP) und 443 (HTTPS).
- Eventuell eine öffentliche IP-Adresse oder DynDNS verwenden, damit der Server erreichbar ist.
Fedora Server Installation starten
Nach dem Booten vom ISO wählen Sie „Install Fedora 42″.

Im nächsten Schritt wählen Sie Sprache und Tastatur, anschließend die rot gekennzeichneten Bereiche ergänzen:

Ziel-Festplatte auswählen (die virtuelle Festplatte, die Parallels angelegt hat). Auch wenn hier schon ein Haken auf dem Symbol gesetzt ist, müssen Sie das Symbol noch mal anklicken, genau genommen zwei mal, der Haken wird entfernt und wieder explizit gesetzt.

Benutzer: root Ein separates Root-Konto kann nützlich sein, wenn man automatisierte Skripte oder Serverdienste einrichtet, die Root-Rechte brauchen, oder wenn man mehrere Administratoren verwaltet. Für Lern- und Testumgebungen in einer VM ist es nicht notwendig.

Benutzerkonto anlegen (Benutzername und Passwort), der Benutzer muss Administrator-Rechte haben, wenn kein root-Konto eingerichtet wird.

Nun können Sie die Installation starten. Sie sehen einen Fortschrittsbalken und dann den Button zum Neustart.

Nach der Installation
Nach dem Abschluss der Installation starten Sie die VM neu. Was Sie nun im Fenster sehen ist die klassische Textkonsole (tty) des Fedora-Servers mit der Aufforderung zum Login. Melden Sie sich mit den während der Installation vergebenen Benutzerdaten an. Erster Schritt sollte danach immer die Prüfung auf Aktualisierungen sein:
sudo dnf upgrade -y
Abmelden in der Konsole
Sie können sich nun wieder abmelden mit
logoutDer Server läuft danach weiter.
Exkurs:
logout in der Konsole
logout beendet nur deine aktuelle Benutzersitzung in der Konsole oder im Terminal. Das System selbst und alle Prozesse laufen weiter, andere Benutzer bleiben angemeldet. Der Server ist also weiterhin aktiv.
shutdown (oder poweroff)
shutdown beendet das gesamte System, nicht nur deine Sitzung. Alle angemeldeten Benutzer werden automatisch abgemeldet. Alle Prozesse werden sauber beendet. Nach Abschluss der Shutdown-Prozedur fährt der Server herunter, man muss sich nicht mehr selbst abmelden.
| Befehl | Wirkung | Benutzer abgemeldet? |
|---|---|---|
logout | Nur aktuelle Konsole/Session verlassen | Ja, nur der aktuelle |
shutdown now | Gesamtes System herunterfahren | Alle Benutzer automatisch |
poweroff | Gleich wie shutdown | Alle Benutzer automatisch |
Cockpit nutzen
Im Browser auf dem Mac können Sie nun über die Adresszeile und Eingabe von
https://Fedora-Server:9090
auf Cockpit zugreifen. Alternativ verwenden Sie die IP-Adresse der VM zusammen mit der Port-Nummer. Beides wird in der Konsole des Servers oberhalb der login-Zeile angezeigt:

https://<VM-IP>:9090
Für das Login bei Cockpit gelten die gleichen Daten, wie in der Konsole: Benutzernamen und Passwort, die Sie während der Installation von Fedora angelegt haben. Safari beschwert sich wegen des fehlenden Zertifikats, klicken Sie auf Details anzeigen und dann Webseite besuchen.

Es öffnet sich eine Login-Box:

Überblick über die Benutzeroberfläche
Cockpit bietet eine klare Übersicht über wichtige Systemfunktionen:
- Systemstatus: CPU, RAM, Speicher, Netzwerk
- Dienste: starten, stoppen, aktivieren oder deaktivieren
- Benutzerverwaltung: neue Benutzer anlegen oder Rechte ändern
- Updates: verfügbare Software-Updates anzeigen und installieren
- Logs: Systemmeldungen einsehen, Fehler erkennen
Um administrative Einstellungen vorzunehmen, betätigen Sie die Schaltfläche Turn on administrative access. Es folgt eine Passwort-Abfrage, danach können Sie beispielsweise neue Benutzer anlegen.

Sie benötigen damit erst einmal noch keine komplizierten Terminal-Befehle, viele Aktionen sind per Klick möglich. Eine schnellere Orientierung in der Serververwaltung ist ideal, für erste Schritte mit Fedora Server und später auch um LAMP-Stack-Komponenten zu testen.
Cockpit bietet aber auch ein Terminal, mit dem Sie genauso arbeiten können, wie mit der Konsole des Servers. Nur haben Sie hier die Möglichkeit, die Schrift zu vergrößern mit
Strg + Plus-Taste
oder über die Browser-Einstellungen.
Das geht in der Konsole so nicht, sondern nur durch Änderung in den Systemeinstellungen.
Klassischer Zugang über SSH
In der Praxis wird häufig ein SSH-Zugang genutzt, um sich auf einem entfernten Server (auf den man ja meist keinen physischen Zugriff hat) einzuloggen. Dazu stellen Sie aus dem Terminal des eigenen Rechners heraus eine Netzwerkverbindung zum Server her. In unserem Beispiel öffnen Sie das Mac-Terminal und geben Sie den nachstehenden Befehl ein – ändern Sie „henriette“ in den von Ihnen vergebenen Benutzernamen:
ssh henriette@Fedora-ServerBeim ersten Verbindungsaufbau erhalten Sie eine Nachfrage, die in etwa so aussieht:
The authenticity of host 'fedora-server (10.211.55.90)' can't be established.<br>ED25519 key fingerprint is SHA256:gdv0OeTE/qbvm6BX99fgSMgZWv4Z4qWwZzV3hhODgjg.<br>This key is not known by any other names.<br>Are you sure you want to continue connecting (yes/no/[fingerprint])? Bestätigen Sie hier mit yes. Nach einer weiteren Warnung wird Ihr Passwort abgefragt.
Warning: Permanently added 'fedora-server' (ED25519) to the list of known hosts.
henriette@fedora-server's password: Dann ändert sich der Prompt im Terminal und Sie sind auf dem Server eingeloggt. Von hier aus können z.B. Updates anstoßen oder neue Software installieren und vieles mehr.

Ausblick
Neben der einfacheren Handhabung bietet Cockpit – weil es im Browser läuft – die Möglichkeit die Schrift zu vergrößern, auch im integrierten Terminal. In der Konsole des Servers ist die Schrift nur schwer zu lesen, hier hilft die Zoom-Funktion aus den Bedienungshilfen des Mac.
Für experimentierfreudige Leser empfehlen wir, die VM an dieser Stelle zu klonen und alle weiteren Tests zunächst auf der Kopie vorzunehmen.
Im nächsten Teil folgt dann die Installation eines vollständigen LAMP-Stacks mit Apache, MariaDB und PHP.
