
Fedora 44 erscheint in Kürze, mit neu gestalteten Bedienungshilfen. Wir haben uns die Beta-Version der Workstation Distribution mit GNOME-Desktop (GNOME 50) angeschaut – und sind schon jetzt begeistert.
Nach dem Start des neu installierten Systems navigieren Sie wie gewohnt zu den Einstellungen: Meta (Windows) – Taste drücken, dann öffnet sich die App-Übersicht und der Schreibcursor steht direkt im Suchfeld. Nach den ersten Buchstaben „Ein“ wird auch schon das Icon der Einstellungsverwaltung an erster Stelle gezeigt und mit einem Druck auf die Eingabetaste die App geöffnet. Alternativ geben Sie gleich „bar“ im Suchfeld ein, und Sie gelangen direkt zum Menü „Barrierefreiheit“.


In der Einstellungsverwaltung finden Sie die gesuchten Einstellungen ebenso schnell über das Lupensymbol oben links.
Menü Barrierefreiheit
Wir empfehlen die Aktivierung der Option „Immer das Menü zur Barrierefreiheit anzeigen“. Diese Funktion ist zwar nicht neu, bietet aber nach wie vor wertvolle Unterstützung. Sie ermöglicht den schnellen Zugriff auf Funktionen wie Vergrößerung, Screenreader und große Schrift über ein Symbol in der oberen Leiste.

Sehen
Im Menü „Sehen“ hat sich einiges verändert:
Eine Schaltfläche zum Öffnen der Orca-Einstellungsverwaltung ist hinzugekommen. Das ist besonders für Nutzer von Notebooks ohne Ziffernblock hilfreich, weil hier die Standard-Tastenkombination Orca-Taste (die Entf-Taste auf dem deaktivierten Nummernblock) nicht verfügbar ist.
Der Menüpunkt „Animationseffekte“ ist jetzt verständlicher benannt mit „Reduzierte Animationseffekte“.
Der Schalter „Große Schrift“ wurde durch den Menüpunkt „Textgröße“ ersetzt.
Für alle Schalter im Menü Barrierefreiheit ist es nicht erforderlich, den Schalter mit dem Mauszeiger präzise zu treffen. Ein einfacher Klick irgendwo innerhalb des Menüpunktes (der gesamten Zeile) genügt. Diese durchdachte Programmierung erleichtert die Bedienung erheblich.
Textgröße
Bisher benötigte man für die Skalierung der Schrift die zusätzliche App GNOME-Optimierungen. Jetzt lässt sich die Schriftgröße systemweit und individuell direkt erhöhen.
Allerdings springt die Textgröße beim Deaktivieren und erneuten Aktivieren der großen Schrift über die Schnelleinstellungen der oberen Menüleiste auf den Standardwert der Vergrößerung zurück.

Noch besser lesbar wird der Text mit aktiviertem hohen Kontrast:


Die Dateiverwaltung übernimmt die große Schrift problemlos. Nach dem Öffnen ist die linke Seitenleiste dann eingeklappt und ermöglicht eine bessere Übersicht.


Die Schaltfläche zum Umschalten zwischen Ordner- und Listenansicht ist übrigens nach unten rechts gewandert. Viele Shortcuts erleichtern hier die Arbeit. Eine Übersicht öffnet man mit:
Strg + Fragezeichen
Bildschirmleser
Aktivieren Sie den Bildschirmleser, lassen sich auch dessen Einstellungen öffnen. Ansonsten ist die Schaltfläche deaktiviert. Das behebt den früheren Konflikt, dass der Bildschirmleser beim Öffnen der Einstellungen aktiviert wurde und beim Schließen auch blieb, trotz deaktiviertem Schalter.
Das Fenster der Orca-Einstellungsverwaltung ist komplett umgestaltet und entspricht jetzt dem übersichtlichen GNOME-Stil. Alle Menüpunkte befinden sich in einer linken Seitenleiste. Bei vergrößerter Schrift passte sich das App-Fenster bei uns nicht optimal in den Bildschirm ein.. Es fehlen Bildlaufleisten und die Anpassungsmöglichkeiten der Fenstergröße sind begrenzt. Dies stellt jedoch kein großes Problem dar, weil es keine Button mehr am unteren Fensterrand gibt. Darüber hinaus kann das Fenster bei gedrückter Meta-Taste mit der Maus verschoben werden.

Ansonsten funktioniert hier die Navigation per Tastatur (Tabulator, Pfeiltasten) wie gewohnt gut.
Neu sind die Tab-Reihenfolge und die Menübezeichnungen:
- beim Start steht der Fokus im Hauptfenster – Profile und es wird eine Erklärung vorgelesen. Mit der Tab-Taste gelangt man zur Schaltfläche, „Neues Profil, Knopf“ wird gelesen, anschließend zur Liste der Profile. Hat man noch kein eigenes angelegt, steht hier nur der Profilname „Voreinstellungen“.
- von hier aus gelangt man zur Schaltfläche „Optionen“. Dahinter verbirgt sich ein Menü mit den Punkten „Hilfe“, „Apply to Voreinstellungen“, „Save to Voreinstellungen and close“, „Profil speichern unter“ und „Abbrechen“. Hat man zuvor ein neues Profil erstellt, erscheint der Name des ausgewählten Profils anstelle von „Voreinstellungen“ als Speicheroption. Man aktiviert das Menü mit der Eingabetaste und navigiert mit den Pfeiltasten. Mit Esc verlässt man das Untermenü.
- Mit einem weiteren Druck auf die Tab-Taste wechselt der Fokus in die Seitenleiste. Vorgelesen wird „Kategorien-Liste mit 14 Einträgen, Profile“, also der erste Listeneintrag.


Direkt nach dem Öffnen kann man unterschiedliche Profile anlegen. Bisher konnte man das nur über die Option „Speichern unter“. Nun legt man erst ein eigenes Profil an und befüllt es dann mit den gewünschten Einstellungen. Diese Abfolge ist deutlich intuitiver. Profile sind besonders nützlich, wenn man beispielsweise beim Programmieren jedes Zeichen und in langsamerem Tempo vorgelesen bekommen möchte, bei Belletristik hingegen deutlich schneller und ohne Satzzeichen.
Im Menü „Sprache“ unter „Typ der Sprachausgabe“ können Sie verschiedene Stimmen und Spracheinstellungen für unterschiedliche Kontexte wählen. So können Sie beispielsweise für Systemmeldungen eine andere Stimme, Sprechgeschwindigkeit, Tonhöhe und Lautstärke festlegen, um sie vom normalen Lesefluss abzuheben.
Ein On-Screen Display zeigt mit individueller Schrift- und Farbeinstellung das, was Orca gerade vorliest in einem separaten Overlay-Fenster an. Obwohl diese Funktion für Menschen mit Sehbehinderung vielversprechend ist, ist sie derzeit noch nicht praxistauglich. Bei unseren Tests war es nicht mehr möglich, im Ursprungstext zu navigieren, während das Overlay-Fenster geöffnet war. Innerhalb des Fensters gab es keine Navigation mit den Tasten.


Unter „Echo“ kann man wählen, ob und welcher Tastendruck angesagt werden soll. Auch hier ist die Benutzeroberfläche deutlich übersichtlicher.
Das Mausecho funktioniert unter Wayland leider noch nicht.
Neu ist der Menüpunkt „Unterhaltung“, mit dem Sie steuern können, welche Zusatzinformationen in Chats angesagt werden sollen. Ausprobiert haben wir das noch nicht.

Hinweis: Wer sehend in einem der Untermenüs nach einer Schaltfläche „zurück“ oder der üblichen Pfeil-Schaltfläche sucht, tut dies vergebens. Screenreader-Nutzer verwenden lieber die Tastatur: Alt + Pfeil links bringt Sie ans Ziel.
Fazit
Obwohl wir lediglich die Beta-Version getestet haben, waren wir von den Neuerungen bereits sehr beeindruckt. Dass sich bei der Orca-Weiterentwicklung endlich signifikante Fortschritte abzeichnen, verdient angesichts der knappen Ressourcen der freiwilligen Entwickler-Community und der Zersplitterung der Linux-Welt großen Respekt.
Es bleibt spannend, ob die neue Orca-Einstellungsverwaltung nun auch bei anderen Desktops wie KDE Einzug hält.
